9 1/2 Alternativen zum Auto

1. Kauf dir ein Fahrrad!

Es muss nicht teuer sein. Ich habe mir eins zusammenstellen lassen. Mit einem zu meiner Körpergröße passenden Rahmen (ich bin echt klein, da kann man die Standardgrößen ohnehin vergessen), einen exakt auf meine Armlänge abgestimmten Lenker, passenden Sattel etc. Alles zusammen hat es mich ca. 700 EUR gekosten. Dazu habe ich mir noch ein gutes Schloss besorgt. Jetzt fahre ich das Rad auch schon wieder 7 Jahre. So sieht es auch aus, aber ich lasse jedes Jahr nach dem Winter von einer netten und günstigen Werkstatt ein „Backup“ machen. Ich finde, die Investition hat sich gelohnt und war auch nicht übermäßig teuer. Günstiger als ein Auto war es allemal.

2. Besorg dir eine Bahncard!

Für den Anfang reicht eine Bahncard 25. Ein guter Weg, fast kostenlos an das Ding zu kommen, ist zunächst eine Probe-Bahncard 25 für 3 Monate zu bestellen. Die kostet momentan nur 17,50 Euro. Früher hat man kurz vor Ablauf der Probe-Bahncard dann ein Angebot der Bahn für eine „echte“ Bahncard 25 zu einem Preis von 62,00 EUR erhalten. Allerdings musste man diese Summe gar nicht zahlen, da der Preis irgendwie verrechnet wurde. Im Endefffekt bekam man für insgesamt 1 Jahr und 3 Monate eine Bahncard 25 für ganze 19,00 EUR. Findet raus, ob das immer noch funktioniert!

3. Meld dich bei einem Fahrrad-Verleihsystem an!

Überall in der Stadt stehen Räder zum flexiblen Ausleihen. Bei mir in Leipzig ist Nextbike der Platzhirsch. Aber es gibt noch andere Anbieter wie Call a Bike und selbst von Lidl habe ich schon Leihräder gesehen. Die Anmeldung läuft meistens ähnlich ab. Man meldet sich als Nutzer für 1 EUR an und kann dann jederzeit per App oder Telefon ein Rad, was mit einer bestimmten Nummer ausgestattet ist, freischalten lassen und nutzen. Und wenn man es nicht mehr braucht, stellt man es ab und meldet das auch wieder über die App oder das Telefon. Je nach Tageszeit und Dauer der Nutzung wird dann der Preis berechnet und das Geld ganz einfach vom Konto abgebucht. Es ist also super easy. Und gerade abends, wenn kein Nachtbus und keine Straßenbahn mehr fährt, kann so ein Leih-Fahrrad einen langen Fußmarsch oder eine teurere Taxifahrt ersparen. Und außerdem ist es eine super Sache, wenn Freunde zu Besuch sind. Mit einem Fahrrad lässt sich eine Stadt ganz anders erkunden. Man ist schnell im Park, am See, in der Kneipe …

Und dann gibt es ja auch noch Swapfiets, das Abofahrrad. Mit diesem Geschäftsmodell steht dir ein Fahrrad für einen Monat oder sogar ein ganzes Jahr gegen Zahlung eines bestimmten Abopreis zur Verfügung. Vielleicht hast du die Räder in deiner Stadt auch schon einmal gesehen. Es sind schöne Hollandräder mit einem auffällig blauen Vorderrad. Wenn das Rad mal kaputt geht, wird es innerhalb von 12 Stunden durch ein funktionsfähiges ersetzt. Oder der Mechaniker kommt vorbei und repariert das Rad direkt vor Ort. Tolle Idee!

4. Nutze den öffentlichen Nahverkehr in deiner Stadt!

Für längere Strecken durch die gesamte Stadt oder auch in die Umgebung ist der ÖPNV wohl die beste Wahl. Oft ist es auch erlaubt, das Fahrrad kostenlos mitzunehmen. So kann man also von der Haltestation ganz einfach Richtung Arbeitgeber, Kunde oder was auch immer radeln und ist garantiert schneller da als ein Autofahrer  (denn der steht im morgentlichen/abendlichen Stau und muss sich erst einen Parkplatz suchen).

5. Sucht euch einen Lastenradanbieter!

Denn die meisten Dinge sind gar nicht so groß, dass für deren Transport unbedingt ein Auto nötig wäre. Oder wie häufig kauft ihr euch eine Waschmaschine oder einen Küchentisch für 12 Personen? Und außerdem wird beim Kauf von größeren Dingen häufig ein Lieferservice angeboten. Ein Lastenfahrrad sollte also ausreichen, um ein paar Kästen Bier aus dem Supermarkt zu holen oder die großen Säcke Blumenerde für die Gartenbepflanzung nach Hause zu transportieren.

6. Bei einem Carsharing-Anbieter anmelden!

Es gibt  TeilautoCar2goStadtmobil und viele mehr. Der Platz, auf dem die Autos abgestellt sind, liegt häufig nicht weiter entfernt, als es der Parkplatz für das eigene Auto wäre. Die Anmeldung funktioniert ganz einfach. Anmelden, einen kleinen Anmeldebetrag zahlen und immer dann, wenn doch mal ausnahmsweise ein Auto benötigt wird, ausleihen. Aber Achtung, zu den Stoßzeiten wird es häufig eng und auf den Carsharing-Plätzen breitet sich gähnende Leere aus.

7. Viele Supermärkte oder Biohöfe bieten Lieferservices an!

Nutzt den Service, insbesondere wenn ihr mehrere Personen seid. Denn so kommt euer Einkauf oder eure Biokiste voll leckerem Obst und Gemüse per Lieferservice sicher und frisch bei euch an und ihr spart Zeit – und selbstverständlich auch die Autofahrt.

8. Auch Laufen ist eine Option!

Dauert zwar etwas, aber dafür kann man dabei so schön grübeln, Ideen ausbrüten, reflektieren … Versucht´s mal!

9. Bist du Unternehmer, kannst du auch auf deinen Fuhrpark verzichten!

Denn es gibt nicht nur vermehrt Supermarkt-Lieferservices; mittlerweile kommt auch der Installateur per Lastenrad zum Kunden und der Förster schaut auf dem Mountainbike im Wald nach dem Rechten. Dass sich der Kurier am schnellsten per Rad durch den Großstadtdschungel kämpft, ist schon länger bekannt. Und warum sollte ein Außendienstler nicht per Faltrad und Bahn durch Deutschland und Europa reisen?

Leider wird Dieselkraftstoff immer noch steuerlich bevorteilt. Und außerdem gibt es die Dienstwagenregelung, bei der Firmen ihre Mitarbeiter mit einem Dienstwagen belohnen, den diese dann für beruflichen wie auch private Fahrten nutzen dürfen. Die Mitarbeiter versteuern lediglich einen Prozent des Neupreises. Das gilt zwar auch für Dienstfahrräder, aber mit dem Dienstwagen lässt sich ungleich mehr Geld sparen. Zum Glück gibt es jedoch so tolle Projekte wie Ich entlaste Städte, die Unternehmen und Behörden an die Nutzung von Lastenräder heranführen möchten.

9 1/2. Tja, und zuallerletzt muss sich natürlich auch die Politik endlich mal bewegen!

Trotz Irreführung und Betrug gegenüber dem Verbrauchern sowie gesundheits-schädlichen Werten in der Luft wirft sich die Politik weiterhin der Autoindustrie an den Hals. Ja, sie und die Zulieferbetriebe bietet eine Menge Arbeitsplätze. Trotzdem muss man mit der Zeit gehen. Die Arbeitsplätze können auch durch innovative Unternehmen, die auf neue Transportmöglichkeiten setzen, bereitgestellt werden. Oder durch den Bau einer besseren, umweltschonenden Infrastruktur. Oder durch neue entstehende Tourismus- und Stadtplanungsmodelle. Oder, oder, oder …

Auf jeden Fall müssen die Subventionierungen von Luftverkehr und der Autoindustrie abgeschafft werden. Gleiches gilt für die „Schienenmaut“, bei der Personen- wie Güterzüge Gebühren für die Streckennutzung und Serviceeinrichtungen zahlen müssen. Das verzerrt den Wettbewerb. Denn im Straßenverkehr müssen nur Lkw eine Maut zahlen, und das auch nur bei Benutzung der Autobahn. Alle andere Autofahrer dürfen die Infrastruktur kostenlos nutzen. Vielmehr sollte der Bahnverkehr subventioniert werden, genauso wie der Öffentliche Nahverkehr (na gut, das wird er ja bereits). Trotzdem, Schluss mit Anbiederung und falschen Bevorzugungen! Wir atmen alle diese Luft, uns gehört allen der öffentliche Raum.